Was am 4. Mai wirklich geschah... Die Analyse der Bundeswehr

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Was am 4. Mai wirklich geschah... Die Analyse der Bundeswehr

Beitragvon Falke » 28/5/2013, 16:50

Was am 4. Mai wirklich geschah... Die Analyse der Bundeswehr:

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What on 4 May really happened ... The analysis of the Bundeswehr:


GERMAN:

Berlin/Kabul - Die Aufarbeitung eines tödlichen Zwischenfalls bei einer gemeinsamen Operation des Kommandos Spezialkräfte (KSK) und der afghanischen Polizei Anfang Mai könnte dramatische Folgen haben. In der Bundeswehrführung wachsen die Zweifel, ob eine weitere Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften möglich ist. Von Offizieren in Afghanistan und in Berlin heißt es nach dem Tod des Elitesoldaten in der Region Baghlan in Nordafghanistan, die Afghanen hätten sich entgegen der Absprachen zweimal aus den zunächst gemeinsam geführten Kämpfen zurückgezogen. Es wird nicht einmal mehr ausgeschlossen, dass die Taliban einen Tipp von den afghanischen Sicherheitskräften bekommen haben. Mitunter ist sogar von einer Falle die Rede.

Was sich am Nachmittag des 4. Mai in der Region Baghlan ereignete, war zunächst Routine. Per Notruf wandte sich eine Sondereinheit der afghanischen Polizei, die von KSK-Soldaten von einer Basis im Ort Kilagai ausgebildet wurde, an die deutschen Partner. Man sei bei einer Patrouille in der Nähe eines Flussübergangs bei der Ortschaft Zaman Khel in Not geraten. Aufständische würden die Polizei beschießen, schrien die Afghanen in ihre Mobiltelefone. Was sie von den Deutschen wollten, war klar. Die Spezialeinheiten vom KSK, ausgebildet im Nahkampf, sollten den Partnern helfen. Umgehend rückte eine kleine Gruppe von 17 KSK-Kämpfern aus, ein durchaus normaler Vorgang im Kampf gegen die Taliban.
Von der vielbeschworenen Partnerschaft, dem Kernstück der Zukunftspläne für die Zusammenarbeit zwischen den internationalen und afghanischen Truppen, war nach Aussagen von Offizieren danach jedoch nur noch wenig zu spüren. Kaum waren die KSK-Kämpfer am Ort des Gefechts angekommen, sollen sich die Afghanen ohne jede Absprache bis zu 700 Meter zurückgezogen haben, dabei feuerten sie wild in die Luft. Die Deutschen standen plötzlich am Rande eines dichten Walds allein im Kampf gegen mehrere versteckte Schützen, so die Beschreibungen der chaotischen Lage. Die unsichtbaren Gegner beschossen sie mit Maschinengewehrfeuer und Panzerfäusten.

Fataler Fehler

Per Funk forderten die deutschen Soldaten Luftunterstützung an. Allein, ohne die Hilfe von Kampfbombern hätten sie den Kampf wohl verloren. Also tauchten am Himmel zunächst zwei deutsche "Tiger"-Helikopter auf, sie feuerten mit Raketen auf die Stellungen der Gegner, später kamen noch Helikopter der US-Luftwaffe hinzu. Als das Feuer auf die deutschen Soldaten trotz der Raketen nicht abebbte, riefen die KSK-Soldaten beim Nato-Kommandostand um Hilfe. Dort entsandte man einen A-10-Kampfbomber. Dieser "Thunderbolt" warf einen regelrechten Bombenteppich über dem Waldstück ab.

Nachdem sich der Staub wieder gelegt hatte, blieb es zunächst ruhig. Die Nato-Piloten in der Luft spulten ihre Routineprotokolle ab. Nach jedem Bombenangriff der internationalen Einheiten müssen sie gemäß den Richtlinien aus Kabul Bilder von der Abwurfstelle schießen und prüfen, ob es zivile Opfer gibt. Da in dem dichten Wald nicht viel zu sehen war, setzten die US-Piloten eine Wärmebildkamera ein. Auf den Bildern der Sensoren war von den zwölf Taliban-Kämpfern jedoch nichts mehr zu sehen. Folglich entschlossen sich die KSK-Soldaten, den Tatort selbst anzusehen.

Diese Suchaktion erwies sich als fataler Fehler. Kaum waren die KSK-Soldaten an der Stelle angekommen, von der sie beschossen worden waren, bemerkten sie den Hinterhalt. Unter einer dicken Plastikplane hatte sich ein bewaffneter Angreifer versteckt. Die Plastikplane muss so dick gewesen sein, dass die Körperwärme des Mannes nicht auf den Sensorbildern des A-10-Bombers auszumachen war. Aus nächster Nähe feuerte er völlig überraschend auf den deutschen KSK-Soldaten Daniel W., der noch vor Ort verstarb. Bei einem seiner Kameraden durchschlug eine Kugel den Helm und verletzte ihn schwer. Nur durch Glück überlebte er.

Gezielter Hinterhalt?

Nach dem Angriff auf die Deutschen entbrannte ein neues Gefecht, die anfliegenden Rettungshubschrauber der US-Armee wurden mehrmals beschossen, am Boden stand auch das Team des KSK wieder im Feuerkampf. Fast eine Stunde dauerte es, bis der gefallene und der verletzte Soldat aus der Gefahrenzone herausgeflogen werden konnten. Auch in dieser Situation war bei der afghanischen Polizei offenbar wenig Solidarität zu spüren. Während die Deutschen kämpften, so ein Kenner der geheimen Einsatzberichte, hätten sich die Afghanen in Sicherheit gebracht und das Gefecht von dort aus beobachtet.

Die Nachlese des tödlichen Angriffs hat bei der Bundeswehr schwere Zweifel ausgelöst. Vor führenden Verteidigungspolitikern räumte kürzlich selbst der Generalinspekteur der Bundeswehr ein, dass man die Zusammenarbeit mit den Afghanen ganz neu überdenken müsse. Auch wenn gerade die von den Deutschen oder von den US-Spezialkräften ausgebildeten Einheiten als verlässlich gelten, hat der Rückzug aus den Kämpfen nicht nur die eingesetzten Soldaten, sondern auch die Ebene der Befehlshaber massiv verunsichert. "Wir mussten erneut lernen, dass wir uns nicht auf die Afghanen verlassen können", so ein Offizier in Nordafghanistan, "dabei sind wir ihnen in der Situation doch zur Hilfe geeilt".
Schwerwiegender noch ist der Verdacht, dass Mitglieder der afghanischen Polizei möglicherweise Hinweise an die Taliban gaben und die Deutschen gezielt in die schwer zu kontrollierende Waldgegend gelockt haben. Ein Taliban-Kämpfer berichtete SPIEGEL ONLINE, dass die Kämpfer "Berichte" bekommen hätten, dass sich die deutschen Soldaten auf den Weg zum Flussübergang gemacht hätten. Daraufhin hätte sich der Kommandeur Scheich Samer mit seinen Männern dorthin aufgemacht. Einer seiner Kämpfer habe sich unter der Plane versteckt und dort gewartet, bis er auf die Deutschen feuern konnte.

Bei der Bundeswehr wird der Verdacht eines gezielten Verrats nicht bestätigt. Er wird allerdings auch nicht ausgeschlossen. Intern ist von einer Überprüfung die Rede, wie man weiter mit den Afghanen kooperieren soll. Bei Notrufen der vermeintlichen Partner von den afghanischen Sicherheitskräften werde man jedoch in Zukunft genau prüfen, ob es sich nicht um einen gezielten Hinterhalt handelt.


ENGLISH:

Berlin / Kabul - The investigation of a fatal incident in a joint operation of the Special Forces Command (KSK) and the Afghan police in early May could have dramatic consequences. In the army leadership have doubts about whether to continue working with the Afghan security forces is possible to grow. Of officers in Afghanistan and in Berlin it is, after the death of the elite in the Baghlan region in northern Afghanistan, the Afghans would have retired twice against the collusion of the first jointly controlled fighting. It is not even excluded that the Taliban got a tip of the Afghan security forces. Sometimes even a case of the speech.

What in the afternoon of the 4th May occurred in the region of Baghlan, was first routine. By emergency turned to a special unit of the Afghan police, who was trained by KSK soldiers from a base in place Kilagai, to the German partners. It was in distress in a patrol near a river crossing in the village Zaman Khel. Insurgents would shoot at the police, shouted the Afghans in their mobile phones. What they wanted from the Germans, was clear. The special forces of the KSK, trained in close combat, should help the partners. Immediately moved from a small group of KSK-17 fighters, a perfectly normal process in the fight against the Taliban.
Of the much-vaunted partnership, the core of the future plans for cooperation between international and Afghan troops, according to statements of officers was then but little to feel. No sooner were the KSK-fighters arrived at the scene of the battle, the Afghans should have withdrawn up to 700 meters without any consultation, while they fired wildly into the air. The Germans were suddenly on the edge of a dense forest alone in the fight against multiple hidden shooters, so the descriptions of the chaotic situation. The invisible enemy they fired on with machine gun fire and rocket-propelled grenades.

Fatal error

By radio asked the German soldiers in air support. Alone, without the help of bombers, they probably would have lost the fight. So, first appeared in the skies two German "Tiger" helicopter on, they fired rockets at the positions of the enemy, were added later helicopter of the U.S. Air Force. When the fire despite the rockets not subsided to the German soldiers called the KSK soldiers at the NATO command center for help. There they sent an A-10 bomber. This "Thunderbolt" threw off a veritable carpet bombing over the forest.

After the dust had settled again, there was initially quiet. NATO pilots in the air reeled from their routine protocols. After each bombing of international units, they have to shoot pictures of the discharge point and check if there are civilian casualties in accordance with the guidelines from Kabul. There is not much in the dense forest was to see the U.S. pilots used a thermal imaging camera. In the pictures of the sensors but was of the twelve Taliban fighters nothing left to see. Consequently, the KSK soldiers decided to look at the crime scene itself.

This search proved to be a fatal mistake. No sooner were the KSK soldiers arrived at the spot from which they had been shot, they saw the ambush. Under a thick plastic tarp an armed attacker had hidden. The plastic tarp must have been so thick that the body warmth of the man was to be found on the sensor images of the A-10 bomber. Up close, he fired a complete surprise to the German KSK soldiers Daniel W., who died on site. On one of his comrades, a bullet pierced his helmet, injuring him seriously. Only by luck he survived.

Targeted ambush?

After the attack on the Germans broke a new battle, the approaching rescue helicopter of the U.S. Army were shot several times, at the bottom of the KSK and the team was back in the fire fight. Almost an hour it took to the fallen and the wounded soldier could be flown out of the danger zone. Even in this situation was apparently felt little solidarity with the Afghan police. While the Germans were fighting, as an expert on the use of secret reports, the Afghans were brought to safety and watched the battle from there.

The gleanings of the deadly attack has triggered serious doubts in the army. Prior to leading politicians defending himself recently acknowledged the Inspector General of the Armed Forces that we must completely revise cooperation with the Afghans. Even if just trained by the Germans or by the U.S. special forces units deemed to be reliable, the withdrawal from the fighting, the soldiers not only used, but also the level of the commander has massively insecure. "We had to re-learn that we can not rely on the Afghans," said an officer in northern Afghanistan, "here we are in the situation to them but rushed to help."
Fatal nor is the suspicion that members of the Afghan police, notices gave to the Taliban and the Germans have deliberately lured into the difficult-to-control forest area. A Taliban fighter told SPIEGEL ONLINE that the fighters would get "reports" that the German soldiers had made their way to the river crossing. Thereupon the commander Sheikh Samer had opened with his men there. One of his fighters have been hiding under the tarp and waited there until he could fire on the Germans.

In the army suspected a deliberate betrayal is not confirmed. It is however not excluded. Internally there is talk of how to further cooperate with the Afghans of a review. For emergency calls from the alleged partner of the Afghan security forces, however, you'll verify in future if it is not a targeted ambush.
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