Bundeswehr beschafft neues Scharfschützengewehr G29

Fragen und Antworten

Bundeswehr beschafft neues Scharfschützengewehr G29

Beitragvon Wolf » 18/5/2015, 13:51

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Die Bundeswehr beschafft sich ein neues Scharfschützengewehr, welches mit der Bezeichnung G29
in die Truppe eingeführt wird. Im Rennen sind noch zwei Kandidaten, die derzeit von der WT91 auf
Herz und Nieren geprüft werden. Ein Anwärter ist das TPG-3 in der Version A5 von Unique Alpine aus
dem bayerischen Erding


Die Beschaffungssituation der Bundeswehr bot in den vergangenen Monaten einiges an Klamauk. Zumindest was das Großgerät betraf. Im Bereich Handwaffen jedoch könnte die Deutsche Armee dieses Jahr einen großen Schritt nach vorn machen. Derzeit läuft eine Ausschreibung und das Testverfahren für ein neues Scharfschützengewehr, das mit der Bezeichnung G29 eingeführt werden soll. Ergebnisse dazu sollen vermutlich noch in der ersten Jahreshälfte 2015 vorliegen. Einen der beiden verbliebenen Aspiranten, das TPG-3, konnten wir während der IWA in der neusten Version A5 begutachten.

G29-Projekt
Seit Anfang 2014 gibt es die Ausschreibung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) zu einer „Scharfschützenwaffe, mittlere Reichweite, bestehend aus Gewehr, Zielhilfsmittels, Zubehör und Munition“. Gefordert wird, dass die Waffe für das Kaliber .338 Lapua Magnum (8,6 x 70 mm) eingerichtet sein soll, den vorhandenen Nachtsichtvorsatz NSV 80 nutzen können muss und in allen Klimazonen gleichermaßen eingesetzt werden kann. Ab 2016 plant die Bundeswehr die Einführung von mehr als 100 Systemen des G29. In erster Linie sollen damit das Kommando Spezialkräfte in Calw sowie das Kommando Spezialkräfte der Marine ausgerüstet werden. In diesen Verbänden ersetzt das G29 dann das bisher
verwendete G22. Die Bewerberliste für das G29-Projekt liest sich wie das „wer-ist-wer“ der Scharfschützenindustrie: Accuracy International, Sako, Unique Alpine, Voere, Steyr Mannlicher, Deserttech oder Haenel.


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Das Hensoldt-Glas klemmt in einer Montage, die ebenfalls im Hause Unique Alpine gefertigt wird.

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Auch wenn die BW keine Kaliberwechselmöglichkeit fordert, das Merkmal bleibt auch bei der A5-Version bestehen. Die vier Schrauben sind entsprechend durchnummeriert
und „unverlierbar“ in das Gehäuse integriert.



TPG-3
Das taktische Präzisionsgewehr TPG-3 hat seinen Ursprung in einer anderen Ausschreibung: Im „Precision-Sniper-Rifle Projects“ des US SOCOM, der Teilstreitkräfte übergreifenden Kommandobehörde für Spezialoperationen des US Militärs. Unique Alpine kooperierte seinerzeit mit FN Herstal USA. Bei der Konstruktion wurde trotz der angestrebten Leichtbauweise besonderer Wert auf Robustheit gelegt. Wartung und Instandsetzung im Feld sollten sich ohne großen Aufwand bewerkstelligen lassen. Außerdem forderte die US SOCOM Ausschreibung (im Gegensatz zur Bundeswehr-Ausschreibung) eine Kaliber und Laufwechselmöglichkeit. Hierbei erreichten die Entwicklungsingenieure eine größtmögliche Wiederholgenauigkeit der Trefferergebnisse. In Folge wurde das TPG-3 von Spezialkräften in Estland eingeführt.


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Die Schnellkupplung zur Aufnahme des Signaturverzerrers.

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3-Stellungssicherung: „Feuer“, „Sicher“, „Sicher und Verriegelt“


TPG-3A5
Beim TPG-3A5 handelt es sich um eine Weiterentwicklung speziell für die BW Ausschreibung. Die konstruktiven Details
wurden uns auf der IWA vorgestellt, können aber an dieser Stelle zu diesem Zeitpunkt aus Gründen des Informationsschutzes noch nicht veröffentlicht werden. Insbesondere verfügt die Version A5 über eine verbesserte Ergonomie, welche die Anpassungsfähigkeit an unterschiedlich große Schützen gewährleistet. Die Anpassarbeiten können mit minimalem Aufwand durch den Schützen selbst durchgeführt werden. Das betrifft zum einen natürlich die Schaftlänge. Aber auch Handgröße und Fingerlänge haben Einfluss auf das Handling der Waffe. Unique Alpine spendierte der A5-Version deswegen ein verstellbares Abzugszüngel sowie einen Pistolengriff mit austauschbaren Griffrücken. Eine Schalldämpfertasche, Schalldämpferüberzug und eine Optikabdeckung komplettieren den vorgestellten A5-Waffensatz.

Herzstück Lauf
Bezüglich der Laufkonfiguration setzt Unique Alpine auf einen 660 mm (26“) langen Lauf mit einer Dralllänge von 1/9“. Die freischwingenden Läufe sind kaltgehämmert und hartverchromt. Die Hartverchromung bietet eine Steigerung der Lauflebensdauer und geht durch eine relativ dünne Schichtdicke nicht zu Lasten der Präzision. Die Abweichung vom Normdrall für die .338 Lapuam (1/10“) wurde bewusst gewählt: Die 1/9“ Dralllänge bietet Präzisionsvorteile im Hinblick auf große Entfernungen und schwere AP Geschosse jenseits der 300grain. Die Hartverchromung ist optional. Die Hartverchromung ist optional.
Bei Unique Alpine werden die meisten Behördenaufträge mit diesem Merkmal ausgestattet, um eine längere Lauflebensdauer zu erreichen. Gemäß aktueller Bundeswehrausschreibung darf die Anfangsgeschwindigkeit eine maximale Gesamtabweichung von 5% während einer Nutzungsdauer von 5.000 Schuss aufweisen. Die Waffe kann natürlich mit einem Schalldämpfer versehen werden, der den Mündungsknall um etwa 30 dB reduziert. Lauf und Gehäuse haben eine Keramikbeschichtung. Diese reduziert abgestrahlte Wärme und absorbiert Licht in allen Spektralbereichen. Nach Herstellerangaben soll die Infrarotlicht-Reflektionsrate bei nur 15% liegen.


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Der Ausrüster Lindnerhof-Taktik hat ein Tragesystem für die TPG-3 konstruiert. Die Waffe kann damit bspw. beim Abseilen sicher und robust geführt werden.

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Über eine Picatinny-Schnittstelle am Schaft kann ein Hecksporn / Erddorn montiert werden.


Instandsetzung
Beim technischen Gesamtkonzept der Waffe geht Unique Alpine einen sehr nutzerorientierten Weg. Einzelne Baugruppen können vom Anwender feldmäßig, auch ohne technisches Spezialwissen, selbst getauscht werden. Der langwierige Weg über Waffenwerkstatt oder Waffen-Inst entfällt zu großen Teilen. Sogar der Tausch des Verschlusskopfes ist vom Soldat selbst durchführbar. Fertigungsbedingt muss beim TPG-3 kein Verschlussabstand mehr angepasst oder überprüft werden. Alle Teile werden bei der Herstellung so toleriert, dass jeder Verschlusskopf auch zu jedem Lauf passt. Im Einsatz könnte eine Ersatzteilversorgung daher so aussehen, dass beispielsweise ein Nachschubverantwortlicher lediglich fertig montierte Baugruppen bevorratet und der Anwender im Falle eines Defektes einfach die alte gegen die neue Baugruppe ohne Spezialwerkzeug auswechseln kann. Ziel ist es, den professionellen Anwender ständig durch möglichst kurze und optimierte Instandsetzungsprozesse einsatzbereit zu halten.


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Optional verfügbare Picatinnyschienen für den Vorderschaft sind so konstruiert, dass sie sowohl Kraftschluss als auch Formschluss erzeugen, wodurch die Stabilität erhöht wird.


Fazit
Den Soldaten der Bundeswehr wäre zu wünschen, dass sie mit einer Waffe ausgestattet werden, in die viel Einsatzerfahrung eines ehemaligen Scharfschützenzugführers aus Calw mit eingeflossen ist. Das Konzept des Kaliberwechsels ist zwar mit der aktuellen Ausschreibung nicht gefordert, die BW könnte sich damit aber für künftige Aufgaben in eine gute Schussposition bringen.


Technische Daten
Kaliber: .338 Lapua Magnum (8,6 x 70 mm)
Gewicht: 6,2 kg
Länge: 1.245 / 934 mm
Lauflänge: 26“ (660 mm)

http://www.unique-alpine.com/de/



Quelle: http://waffenkultur.com/
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Re: Bundeswehr beschafft neues Scharfschützengewehr G29

Beitragvon Wolf » 4/2/2016, 23:21

Der deutsche Hersteller C.G. Haenel GmbH hat die Ausschreibung zum neuen Scharfschützengewehr der Bundeswehr gewonnen.
Das Haenel RS9 im Kaliber .338 Lapua Magnum wird zum G29
.

Das deutsche Unternehmen C.G. Haenel GmbH aus Suhl in Thüringen hat die Bundeswehr-Ausschreibung für eine neue Scharfschützenwaffe mittlerer Reichweite gewonnen. Das intern als G29 bezeichnete Scharfschützengewehr wird im Kaliber .338 Lapua Magnum (8,6x70 mm) angeschafft. Nach zahlreichen Verzögerungen und juristischen Plänkeleien hat Haenel nun endlich final gewonnen und sich mit dem Scharfschützengewehr RS9 somit gegen zahlreiche namhaften Konkurrenten aus dem In- und Ausland durchgesetzt.

Der zur Suhler Arms Alliance gehörende Produzent wird somit also 115 Gewehre, bestückt mit Steiner Military-Zielfernrohr 5-25x56 und B&T Rotex-Schalldämpfer, in naher Zukunft an die Truppe ausliefern.



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Bildergalerie:
https://www.all4shooters.com/de/Bilderg ... ua-Magnum/

Textquelle:
https://www.all4shooters.com/de/Shootin ... ng-Haenel/


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Re: Bundeswehr beschafft neues Scharfschützengewehr G29

Beitragvon Wolf » 8/2/2016, 17:47

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Re: Bundeswehr beschafft neues Scharfschützengewehr G29

Beitragvon Wolf » 24/3/2016, 15:56

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